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Projekt: Aggression im Straßenverkehr

FördererBundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
PartnerInstitut für Kraftfahrwesen Aachen
ProjektleiterDr. Christian Maag
MitarbeiterDr. Volker Hargutt

Projektbeschreibung

Das Ziel des vorliegenden Projekts ist, die Entstehungsbedingungen und die Häufigkeit des Auftretens von aggressiven Episoden im Straßenverkehr zu bestimmen. Durch Beobachtungen und Befragungen wird analysiert, wann und auf welche Art sich Fahrer aggressiv und rücksichtslos verhalten. Experimentelle Fahrten im Realfahrzeug und im Fahrsimulator zeigen auf, wie sich "aggressive" Fahrintentionen in Fahrverhalten umsetzen und wann das Fahrverhalten eines anderen als "aggressiv" erlebt wird. Mit Hilfe einer Verkehrssimulation wird untersucht, welchen Einfluss verkehrliche Parameter wie Verkehrsdichte und Verkehrszusammensetzung auf die Auftretenshäufigkeit von aggressiven Episoden haben und wie effizient unterschiedliche Interventions- und Präventionsmaßnahmen sein können.

Eine Fahrerbefragung ergibt, dass aggressives Fahren ein sehr häufiges Verhalten ist. Über 50 Prozent der Fahrer geben an, Aggressionen oft oder sehr oft zu erleben. Nach den Erkenntnissen der Polizei sind aggressive Verhaltensweisen auf der Autobahn sehr gefährlich und in den letzen Jahren häufiger geworden. Vor allem Männer und Fahrer höherklassiger Fahrzeuge fallen in diesem Zusammenhang negativ im Straßenverkehr auf. Über 80 Prozent der Fahrer halten die Wahrscheinlichkeit, dass ein drängelnder Fahrer von der Polizei entdeckt wird, für sehr gering oder gering. Dies zeigt, dass ein erheblicher Problemdruck besteht.

Die Frage nach dem Zusammenhang von individuellem Verhalten der Verkehrsteilnehmer und Auswirkungen auf den gesamten Verkehrsfluss legt ein besonderes methodisches Vorgehen innerhalb der Studie nahe. Nachdem das Verhalten der Fahrer im Rahmen des Projekts durch experimentelle Fahrten im Fahrsimulator und im Realfahrzeug betrachtet wurde, werden die Ergebnisse in ein psychologisches Wirkmodell der Entstehung und des Auftretens von Aggressionen im Straßenverkehr eingebettet. Dieses Wirkmodell erlaubt die Untersuchung der Häufigkeit, der Ursachen und der Folgen aggressiven Verhaltens im Verkehr. Welche Situationen nehmen Fahrer als Konflikte wahr? Wann und wie reagieren sie - unter Umständen aggressiv - darauf?

Die Auswirkungen aggressiven Verhaltens auf den Verkehr und die Abhängigkeiten aggressiven Verhaltens von verschiedenen Verkehrscharakteristika werden in einem zweiten Schritt mit einem Programm zur Verkehrsflusssimulation bestimmt. Mit PELOPS steht ein Programm zur Verfügung, das den Verkehrsablauf in einem Straßennetz realistisch beschreiben und simulieren kann und sich dabei an den drei wesentlichen Elementen des Verkehrssystems orientiert: Strecke/Umwelt, Fahrer und Fahrzeug. Die Kombination aus Verkehrssimulation und psychologisch validiertem Fahrermodell erlaubt die Simulation und Erfassung der emotionalen Belastung der Verkehrsteilnehmer und der Häufigkeit aggressiver Episoden unter Variation verschiedener Randbedingungen (z. B. Verkehrsdichte, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrercharakteristika etc.).

Innerhalb des entwickelten Modells des aggressiven Fahrers gibt es drei Entstehungsbedingungen für Ärger beim Fahren: Dies sind die (1) Differenz zwischen der Geschwindigkeit, die der Verkehrsteilnehmer fahren möchte und jener, die er aufgrund der verkehrlichen Umstände fahren kann, (2) vorausfahrende Fahrzeuge, die trotz einer ausreichenden Lücke auf der rechten Spur nicht ausweichen und (3) aggressiv herannahende drängelnde Fahrer. Der entstehende Ärger führt in bestimmten Situationen zu einer Veränderung der Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmer und zu einer veränderten Annäherung an vorausfahrende Fahrzeuge mit gegebenenfalls zu nahem Auffahren und Drängeln. Diese Verhaltensänderungen wirken auf das Verkehrssystem und den Verkehrsablauf zurück. Diese Rückkopplung wird über die Verkehrssimulation messbar und einer quantitativen Untersuchung zugänglich.

Maßnahmen gegen aggressives Verhalten im Straßenverkehr werden in Anbetracht der gewonnen Erkenntnisse abgeleitet und diskutiert.

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