Projekt: Fahrerzustandserkennung mittels Lidschlussverhalten
| Förderer | BMW AG |
|---|---|
| Projektleiter | Dr. Volker Hargutt |
| Mitarbeiter | Dr. Heiko Tietze |
Projektbeschreibung
Die Analyse von Lidschlussverhalten hat sich in den letzten Jahren als eine sehr erfolgversprechende Methode zur Fahrerzustandserkennung erwiesen. Es kann als gesichert gelten, dass Lidschlussparameter späte Stadien der Müdigkeit zu indentifizieren vermögen. Ob auch die Differenzierung früherer Stadien - angefangen von Wachheit bis hin zu Schläfrigkeit - unter Einbezug des Zeitverlaufs von Lidschlussindikatoren möglich ist, konnte bislang nicht überzeugend nachgewiesen werden. Eine Reihe von Studien, in denen time-of-day und time-on-task variiert wurden, zeigten, dass an der physiologischen Steuerung des Lidschlussverhaltens mindestens zwei Prozesse beteiligt sind, die im Wesentlichen durch die Lidschlussdauer bzw. Lidschlussgeschwindigkeit und die Lidschlussfrequenz beschrieben werden können. Demzufolge müssen diese beiden Parameter als unabhängig betrachtet und auf ihren eingenständigen Beitrag zur Zustandserkennung untersucht werden. Die vorgestellte Methode erlaubt neben der Erkennung eines wachen Zustands die Indentifikation eines vigilanzgeminderten Stadiums, das vornehmlich nur mit einer Abnahme der Aufmerksamkeit verbunden ist, jedoch nicht mit schwerwiegenden Fahrfehlern. Dieses Stadium ist vom Fahrer weitgehend unbemerkt oder wird erst am Fehler erkannt. Nichtsdestotrotz liegt hier vermutlich bereits eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Ereignisse vor. Weiterhin wird ein Stadium der Müdigkeit klassifiziert, das mit ersten Fahrfehlern verbunden ist, die dann im nächsten Stadium "Schläfrigkeit" bedenkliche Ausmaße annehmen. Die Unterscheidung zwischen einem vigilanzgemindertem und einem wirklich müden Stadium ist v.a. im Hinblick auf eventuell zu ergreifende Gegenmaßnahmen entscheidend. Während Leistungseinbußen in wachen, jedoch aufmerksamkeitsgeminderten Zuständen durch Reizvariation und/oder Erhöhung der Aufgabenschwierigkeit weitgehend beseitigt werden können, ist echter Müdigkeit nur durch Erholung (Schlaf) zu begegnen.
Poster, Ausführliche Darstellung
Publikationen
- Hargutt, V., Hoffmann, S., Vollrath, M. & Krüger, H.-P. (2004). Compensation for Drowsiness & Fatigue. In T. Rothengatter & R. D. Huguenin (Hrsg.), Traffic and Transport Psychology - Theory and Application (S. 257-266). Amsterdam: Elsevier.
- Hargutt, V. (2003). Das Lidschlussverhalten als Indikator für Aufmerksamkeits- und Müdigkeitsprozesse bei Arbeitshandlungen. In VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (Hrsg.), Reihe 17: Biotechnik/Medizintechnik (VDI-Fortschritt-Bericht, Nr. 233). Düsseldorf: VDI-Verlag. Volltext
Tagungs- und Kongressbeiträge
- Hargutt, V. (2000). Eyelid movements and their predictive value of fatigue stages. 3rd International Conference of Psychophysiology in Ergonomics, San Diego, California, July 30.
- Hargutt, V. (1997). Driving performance, drowsiness and sedation. 14th International Conference on Alcohol, Drugs and Traffic Safety -T'97, Annecy, 21.-26. September.
