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    Hochschulambulanz für Psychotherapie

    Fahrangst (2016 - 2017)

    Nach einem Verkehrsunfall leiden viele Betroffene an psychischen Störungen, die mit andauernder Fahrangst und Fahrvermeidung einhergehen können. Die Expositionstherapie gilt als Methode der Wahl zur Behandlung von Angststörungen, wobei zunehmend auch virtuelle Verfahren eingesetzt werden. Die Behandlung von Fahrangst in der virtuellen Realität wurde jedoch lange Zeit kaum untersucht.

    Von April 2016 bis Juni 2017 wurde daher eine innovative Pilotstudie in Kooperation zwischen dem Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften (WIVW) und der Hochschulambulanz für Psychotherapie unter Förderung derDeutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) durchgeführt (Genehmigung durch die Ethik-Kommission der Bayerischen Landesärztekammer am 5. Oktober 2015). Ihr Ziel war es, eine Expositionstherapie in der Fahrsimulation zur Behandlung von Fahrangst nach Verkehrsunfällen zu entwickeln und zu evaluieren.

    Die Therapie wurde nach einem eigens entwickelten, standardisierten Therapiemanual durchgeführt und umfasste insgesamt 13 Sitzungen, die fünf virtuelle Expositionssitzungen im Fahrsimulator, vor- und nachbereitende psychotherapeutische Gespräche, eine abschließende Fahrprobe mit Fahrlehrer sowie zwei telefonische Booster- bzw. Follow-up-Sitzungen nach 6 bzw. 12 Wochen umfassten.

    Die virtuellen Expositionssitzungen fanden in einem High-Fidelity-Simulator mit voll ausgestattetem Mockup (Opel Insignia) statt. Die Expositionsszenarien wurden spezifisch an die individuelle Angsthierarchie der Patienten angepasst. Insgesamt wurden 14 Patienten, die einer Warte- und einer Behandlungsgruppe zugeteilt wurden, behandelt. Sechs davon vermieden das Autofahren grundsätzlich (sog. Vollvermeider), die übrigen acht vermieden bestimmte Strecken oder Fahraufgaben (wie Autobahn oder größere Innenstädte). Die Wirkung der Behandlung wurde anhand verschiedener Maße (Verhaltenskriterien, Einschätzungen der Patieten, physiologische Variablen beurteilt. Die Ergebnisse belegen einen hervorragenden Erfolg der Behandlung.

    • Alle 14 Patienten absolvierten in einer abschließenden Fahrprobe mit Fahrlehrer im realen Straßenverkehr Aufgaben, die sie vorab vermieden hatten.
    • 71% davon zeigten hierbei auch ein laut Fahrlehrer angemessenes Fahrverhalten.
    • 79% empfanden dabei weniger Angst als sie vor der Behandlung antizipiert hatten.
    • 93% konnten den Erfolg bis zum Follow-up nach 12 Wochen aufrechterhalten.
    • 57% der Patienten zeigten gemäß ihren Angaben im Follow-up gar kein Vermeidungsverhalten mehr. Insgesamt wurden 74% aller ursprünglich vermiedenen Fahrsituationen wieder bewältigt.

    Innerhalb der Wartegruppe, welche die Behandlung nach einer Woche Verzögerung erhielt, zeigten sich keine bedeutsamen Veränderungen im Verlauf der Wartephase. Die Mehrheit der Patienten war von ihrem Erfolg überwältigt, bewertete die Behandlung in der abschließenden Evaluation als positiv (Gesamtnote 1,63) und stimmte der Frage, ob die Behandlung der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, eindeutig zu.

    Die Fahrsimulation erwies sich vor allem aufgrund der Möglichkeit zur gezielten Herstellung angstauslösender Verkehrssituationen als äußerst vielversprechendes therapeutisches Medium. In nachfolgenden Studien gilt es, die Behandlung mit einer aktiven Kontrollbedingung zu vergleichen. Darüber hinaus sollten kleinere Ausbaustufen von Simulatoren untersucht werden, um eine großflächige Versorgung Betroffener zu ermöglichen.on der Bayerischen Landesärztekammer genehmigt.

    Fahrsimulator Veitshöchhheim  

    Referenzen:

    • Kaussner, Y., Hoffmann, S. & Schoch, S., Markel, P., Baur, R. & Pauli, P. (2017). Entwicklung und Evaluation einer Expositionstherapie in der Fahrsimulation zur Behandlung von Fahrangst nach Verkehrsunfällen - Eine Pilotstudie gefördert von der DGUV. Zeitschrift für Verkehrssicherheit 2, 100-101.
    • Kenntner-Mabiala, R., Kaussner, Y., Baur, R., Schoch, S., Hoffmann, S., Markel, P., Kuraszkiewicz, A. & Pauli, P. (2017). Treatment of patients with fear of driving following a traffic accident by a virtual reality exposure therapy in a driving simulator - a pilot study funded by the DGUV (FR232). Oral Presentation at the WPA XVII World Congress of Psychiatry, Berlin, 9-12 October 2017
    • Kuraszkiewicz, A., Kaussner, Y., Baur, R., Schoch, S., Hoffmann, S., Markel, P. & Pauli, P. (2017). Entwicklung und Evaluation einer Expositionstherapie in der Fahrsimulation zur Behandlung von Patienten mit Fahrangst nach Verkehrsunfällen. Vortrag auf der 32. Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropsychologie, Konstanz, 21.-23.9.2017.
    • Kaussner, Y., Markel, P., Baur, R., Schoch, S., Ebert, S. & Pauli, P. (2016). Entwicklung und Evaluation einer Expositionstherapie in der Fahrsimulation zur Behandlung von Patienten mit Fahrangst nach Verkehrsunfällen. Blutalkohol 53: Sup III - 24.
    • Kaussner, Y., Markel, P., Baur, R., Hoffmann, S., Schoch, S. & Pauli, P. (2016). Entwicklung und Evaluation einer Expositionstherapie in der Fahrsimulation zur Behandlung von Patienten mit Fahrangst nach Verkehrsunfällen - Eine Pilotstudie. Posterpräsentation beim 12. Gemeinsamen Symposium der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin e.V. (DGVM) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie e.V. (DGVP), Rostock, 30.09. - 01.10.2016.

    Kooperationspartner:

    Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften (WIVW)

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