piwik-script

English Intern
    Lehrstuhl für Psychologie I - Experimentelle Klinische Psychologie

    Forschung

    Aktuelle Forschungsprojekte

    1. Mechanismen sozialer Aufmerksamkeit

    Die Aufmerksamkeitsausrichtung auf andere Menschen ist ein Kernmerkmal sozialer Verarbeitungsprozesse und bildet die Basis höherer sozial-kognitiver Verarbeitungs- und Regulationsleistungen. Soziale Signale wie Gesichtsausdrücke oder Blickrichtungen werden bereits von Säuglingen schnell und präzise erkannt. Wir untersuchen sowohl die neuronalen Grundlagen sozialer Aufmerksamkeit als auch die Äußerung dieser Fähigkeiten im Blickverhalten. Die Modulierbarkeit dieser Prozesse durch Neuropeptide (z.B. Oxytocin und Vasopression) steht ebenso im Fokus unserer Forschung wie die Untersuchung veränderter sozialer Wahrnehmungsprozesse bei sozialen Angststörungen, Borderline Persönlichkeitsstörung oder Störungen aus dem Autismus-Spektrum. Zur Untersuchung dieser Fragestellung verwenden wir ein breites Methodenspektrum von psychophysischen Messungen und Verhaltensstudien mit Augenbewegungsaufzeichnung über physiologische Verfahren wie EEG oder fMRT bis hin zur Simulation sozialer Interaktionen in virtuellen Welten.

    2. Störungen sozialer Verarbeitungsprozesse

    Störungen im Sozialverhalten sind häufig und führen oft zu tiefgreifenden psychischen Problemen. In unserer Forschung beschäftigen wir uns mit der Frage inwiefern maladaptive Aufmerksamkeitsprozesse zur Entstehung und Aufrechterhaltung derartiger Störungen beitragen können und inwiefern sich daraus Probleme im Interaktionsverhalten entwickeln können. Wir betrachten dabei zum einen Ängste die oft zu sozialem Rückzug führen als auch Störungen wie Psychopathie, die mit antisozialem Verhalten und Defiziten in empathischer Reaktionen verbunden sind. Neben mechanistischen Untersuchungen an Normalprobanden mit Variationen in diesen Persönlichkeitsmerkmalen führen wir auch Patientenstudien durch.

    3. Emotionale Modulation des Gedächtnisses

    Die Erinnerung an emotionale Ereignisse ist oft sehr lebhaft und zeitlich persistent. Dieser Effekt betrifft jedoch in der Regel nicht das gesamte Ereignis, sondern es kommt zu einem Trade-off Effekt bei dem zentrale Details emotionaler Ereignisse zwar besser, eher periphere Informationen jedoch schlechter erinnert werden. Warum es zu diesem Effekt kommt, ist nach wie vor unklar. In unseren Arbeiten versuchen wir zum einen aufzuklären, ob differentielle Aufmerksamkeitsprozesse zu diesem Phänomen beitragen. Auf der anderen Seite interessiert uns die emotionale Modulation des Gedächtnisses aus klinischer Perspektive im Hinblick auf die Entstehung posttraumatischer Belastungsstörungen.

    4. Forensische Psychophysiologie

    Im Rahmen forensischer Fragestellungen spielt die Glaubhaftigkeitsbeurteilung von Verdächtigen und Zeugen eine entscheidende Rolle. Bereits seit mehreren Jahrzehnten werden zu diesem Zweck psychophysiologische Methoden eingesetzt (Polygraphie). Diese Anwendung, im Volksmund auch „Lügendetektion“ genannt, ist sowohl mit großen Hoffnungen als auch mit zahlreichen theoretischen und empirischen Problemen verbunden. Unsere Forschung richtet sich zum einen darauf, den Prozess des Lügens in grundlagenwissenschaftlichen Studien besser zu charakterisieren als auch die Validität etablierter Verfahren in möglichst realitätsnahen Umgebungen zu testen. Wir verwenden dabei einen multimodalen Ansatz, der von einfachen Verhaltensstudien über Messungen autonomer Aktivität bis hin zu EEG und fMRT Untersuchungen reicht.